Ortwald (426 n. Chr.)
Ich bin Ortwald, der Sohn Ortwins und komme aus der civitas Coloniae.
Mein Vater, ein Dienstmann des Königs Chlodio, hat eine hohe Stellung in der Francia rhinensis, zu seinem großen Allod gehören sogar Weinberge. Die romanischen Sklaven, die dort arbeiten, verstehen sich noch gut auf ihr Handwerk, und der gute Wein hat meiner Familie Reichtum und Ansehen unter allen Ripuariern gebracht.
Seit fünf Jahren aber war ich nicht mehr zu Hause. Zwischen uns Franken und den Alamannen gab es schon lange Streitereien um die fruchtbaren Länder am Rhein. Dabei starben viele, und viele Dörfer und Felder wurden immer wieder verwüstet. Endlich schloss unser König mit dem Herzog der Alamannen einen Friedensvertrag, und zur Absicherung des Vertrags mussten die Edlen beider Stämme ihre Söhne als Geiseln austauschen. Mein Vater wurde ebenfalls verpflichtet, und ich wurde einem grimmigen alamannischen Heerführer namens Teutomar übergeben.
So kam es, dass ich auf den Hof von Teutomar kam und dafür im Austausch sein Sohn in unsere civitas. Meine Familie rüstete mich mit guter Kleidung aus und der Bewaffnung eines Mannes, obwohl sie mir damals noch viel zu schwer waren. Alle gaben mir gute Ratschläge, und ermahnten mich, Mut und Tapferkeit zu zeigen.
Als wir auf Teutomars Hof ankamen, fing ich beinahe an zu weinen. Ich fühlte mich erbärmlich und allein. Das Leben hier ist völlig anders als in der Stadt. Die Häuser sind Schweineställe aus Holz und Dreck, mit Stroh und Holz statt mit Ziegeln gedeckt, und haben nicht einmal Fenster. Die Wege sind nicht gepflastert und ständig schlammig, und es gibt beinahe jeden Tag dasselbe zu essen. Meine gute Ausrüstung wurde mir abgenommen. Teutomar meinte, dass ich sie wieder bekomme, wenn ich sie bräuchte. Teutomar ist aber nett, und auch von den anderen werde ich wie ein Familienmitglied behandelt. Ob es Teutomars Sohn auch gut geht?
Die Gleichaltrigen üben mit mir den Kampf und die Jagd. Meistens müssen wir aber arbeiten, zum Beispiel das Vieh hüten oder Holz einschlagen. Abends sitzen wir ums Feuer und erzählen uns Geschichten. In zehn Jahren bin ich wieder frei, doch ich weiß nicht, ob ich dann wieder zurück gehe. Teutomar sagt immer wieder, ich sei schon ein richtiger Alamanne geworden. Ich bin jetzt schon seit fünf Jahren auf Teutomars Hof und denke kaum mehr an zuhause. Teutomars neue Frau hat sich sehr an mich gewöhnt, vielleicht weil sie auch schon recht alt ist und keine eigenen Kinder mehr bekommt.
Auf dem Hof sind dieses Jahr wieder Welpen geboren worden, und ich darf sie zu Jagdhunden ausbilden. Es ist eine große Ehre, denn dann werde ich bald zur Keilerhatz mitgehen, wie ein erwachsener Mann. Aber das werde ich sowieso bald sein, dann wird mir Teutomar vor allem am Thing Schild, Sporen und Waffen übergeben...und bald werde ich meine erste Schlacht schlagen...







