Götterkult & Magie

Ein Wechsel von heidnischen Religionen zum Christentum fand erst in den fränkisch-alamannischen Gebieten während der Merowingerzeit (6.Jh n.Chr.) statt. Von den früheren Religionen sind nur einzelne Quellen aus Nordeuropa erhalten, das bis ins Mittelalter heidnisch war. Aufschluss geben auch Verbote heidnischer Bräuche in Gesetzestexten der Merowingerzeit.

Der Göttertempel von Altuppsala, beschrieben von Adam von Bremen in seiner Geschichte der Hamburgischen Kirche
Dieses Volk [die Schweden] besitzt einen besonders angesehenen Tempel in Uppsala, nicht weit vom Ort Sigtuna und yon Birka entfernt. In diesem ganz aus Gold gefertigten Tempel verehrt das Volk die Statuen dreier Götter, und zwar so, daß als mächtigster von ihnen in der Mitte der Dreisitzanlage Thor seinen hohen Thron hat. Den Platz rechts und links von ihm nehmen Wodan und Frikko [Freyr] ein. Man gibt ihnen folgende Deutung: »Thor«, so heißt es, »herrscht in der Luft; er gebietet Donner und Blitzen, Wind und Regen, Sonnenschein und Frucht. Der Zweite, Wodan [Odin], die Wut, führt Kriege und verleiht dem Menschen die Kraft gegen seine Feinde. Frikko, der Dritte, schenkt den Menschen Frieden und Lust«. Daher versehen sie sein Bild auch mit einem ungeheuren männlichen Glied. Wodan dagegen stellen sie bewaffnet dar, wie die unsrigen Mars. Thor endlich gleicht durch sein Zepter offensichtlich dem Jupiter. Außerdem verehren sie zu Göttern erhobene Menschen, die sie für große Taten mit der Unsterblichkeit beschenken. (Adam von Bremen, IV 26 (B 5, 471))

Opferplätze

Bitt-, Dank- und Sühneopfer werden an Opferplätzen in Form von Waffen, Tieren, Schmuck und Speisen niedergelegt. Menschenopfer sind schriftlich überliefert, aber archäologisch kaum nachweisbar. Die Opferungen fanden an Heilige Hainen, Weihern oder Mooren statt. Heilige Haine sind archäologisch schwer belegbar, doch Funde aus Mooren sind bekannt.

Die elbgermanischen Gruppen brachten die Sitte der Moor- und Gewässeropfer mit nach Südwestdeutschland. Die Opferstätte wurde zum gedachten Sitz der Gottheit gewählt. Bei Wasseropfern wurde also einer Fluss- oder Seegottheit gehuldigt (Kötting, AM. 5, 44ff), z.B. Fund aus Benzheim, wo 3 Bronzegefäße in Eberform an einem Holzbrett im Neckar versenkt wurden.

Sie verehren irgendwelche Bäume und Flüsse, Hügel und Klüfte und für diese schneiden sie, als wären es heilige Handlungen, Pferden und Rindern und Mengen anderer Tiere die Köpfe ab und verehren sie wie Götter. (Agathias von Myrnia, 6.Jh.)

Götterwelt

Der Eber ist ein sehr häufiges Motiv und ein Hinweis auf die Verehrung des Fruchtbarkeitsgottes Freyr, dessen Wagen der Eber Gullinborsti zog. Hirschmotive sind vom Rhein-Weser-Gebiet bis zu den Ostgermanen verbreitet. Stiermotive sind eher im gallischen Raum bekannt. Andere germanische Götter sind durch Runeninschriften namentlich belegt: Auf der Rückseite einer Bügelfibel aus Nordendorf (Kreis Augsburg) sind Wotan (Odin) und Donar (Thor) genannt, auf der Rückseite einer Scheibenfibel aus Balingen steht das Wort „Ansuz“ für „Ase“ als Bezeichnung für Wotan.

Weitere Hinweise bieten Götterattribute, die z.B. als Amulette getragen wurden. Im 5. und 6. Jh. werden auf hunnische Anregung hin große Perlen aus Glas und Halbedelsteinen als magische Anhänger an der Schwertscheide befestigt.

Figürliche Darstellungen sind eher selten, sieht man einmal vom Tierstil ab. Ausnahme ist die Scheibenfibel von Pliezhausen, die einen Reiter zeigt, der über einen Feind hinwegreitet. Auffällig ist die kleine Figur hinter dem Berittenen, in der Wotan als „göttlicher Sieghelfer“ gesehen wird. Er führt dem Reiter den Speer, dessen vogelköpfige Spitze andeutet, dass es sich um Gungnir, den Speer Wotans handelt.

Wolfskrieger und Berserker

Mehrfach belegte Motive sind auch Waffentänzer und Krieger mit Wolfsmaske. Die Wolfskrieger werden in der nordischen Literatur Ulfhednar (Wolfshäuter) genannt und stehen im Zusammenhang mit den Berserkern (Bärenhäutern). (Siehe auch Waffentanz der ASK-Alamannen)

Grabbeigaben

Grabbeigaben sind eine heidnische Sitte und spiegeln die Vorstellung von einem Leben im Jenseits und dem Weg dorthin wider. Die unterschiedlich reichen Ausstattungen lassen erkennen, dass die Germanen auch dort Standesunterschiede erwarteten. Man brauchte seine Waffen für den Kampf und darüber hinaus kostbares Geschirr für Festgelage. Pferde wurden getötet und ihren Besitzern für den Ritt nach Walhall mit ins Grab gelegt.

In der Frühzeit der Besiedlung werden die Toten in Einzelgräbern oder kleinen Grabgruppen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Gehöften bestattet. Bei den reich ausgestatteten Körpergräbern ist der Anteil an römischen Importstücken hoch. Ab der zweiten Hälfte des 5 Jh.s n. Chr. bis um 700 n. Chr. werden Reihengräberfelder angelegt. Sie befinden sich sehr häufig in unmittelbarer Nähe zu einer Siedlung.

Übergang zum Christentum

Der Übergang zum Christentum dauerte sehr lange, weshalb beide Glauben in dieser Zeit nebeneinanderher existierten. So kommen am Gürtelgehänge der Frauen neben Kreuzen auch Donaramulette vor. Bärenzähne, Geweihstücke, Gehäuse der Tigerschnecke und aufgelesene Objekte der Römer und Kelten hatten unheilabwehrende Funktion oder dienten dem Fruchtbarkeitskult.

S.M. - Sita Müller / Ortmunde von den Ask